Master of Chess-Tour: Interview mit Jens Wawrczeck
Wie genau entstand die Tour-Idee? Ist Europa mit dem "Tour-Anliegen" auf Euch zugekommen oder habt Ihr entschieden, eine bundesweite Tournee zu starten?
Das ist ein bisschen wie die Frage "Was war zuerst da? Das Huhn oder das Ei?" Die Idee, die Drei ??? aus der Anonymität des Studios auf die Bühne zu holen, "gärte" schon längere Zeit in uns. Aber zunächst blieb es eine Idee, nicht mehr, nicht weniger. Die 100. Folge, die uns noch einmal ins Gedächtnis rief, wie lange wir schon dabei sind und dass dies eigentlich Grund zum Feiern wäre, ließ dann plötzlich alles konkreter werden. Die Zeit war einfach reif für eine so ungewöhnliche Aktion. Die eigentliche Planung wurde dann von EUROPA und der Konzertagentur A.S.S. durchgeführt, natürlich immer in Absprache mit uns. Wenn Die Drei ??? Gestalt annehmen und aus Stimmen Körper werden, muss das sehr genau überlegt und sorgfältig vorbereitet werden, und damit wären Oliver, Andreas und ich allein komplett überfordert.
Was genau ist Euer Ziel, was versprecht Ihr Euch davon, nach über 20 Jahren etwas vollkommen Neues mit den Fragezeichen zu machen?
Wir verfolgen kein genaues Ziel. Ich denke, es ist eher so, dass wir uns auf etwas Spannendes und Unberechenbares einlassen. Live On Stage ist etwas völlig anderes als geschützt im Studio zu sitzen. Ein Live-Hörspiel ist etwas sehr Ungewöhnliches, eine Form der Performance, die nicht wirklich erprobt ist. Wir sind da fast so etwas wie Pioniere. Das ist das Wunderbare... dass wir Neuland betreten und selbst nicht genau wissen, was uns erwartet und ich bin sehr neugierig, wie das Publikum reagieren wird.
Bisher wissen die wenigsten Fans, wie "Justus", "Peter" und "Bob" wirklich aussehen. Meint Ihr, dass die Vorstellungen und Illusionen der Hörer nun zerstört werden könnten?
Ja. Die Tatsache, dass wir nun von Kopf bis Fuß zu sehen sind, ist heikel. Ich bin weder so groß wie Peter, noch habe ich schwarze Haare, noch bin ich überdurchschnittlich sportlich. Wir haben lange gezögert, mit den Drei ??? auf die Bühne zu gehen. Der Gedanke, dass wir vielleicht mit den Bildern, die sich unsere Hörer von Justus, Bob und Peter gemacht haben, in Konkurrenz treten, macht mich schon ein wenig nervös, aber im Großen und Ganzen sehe ich das locker. Wir wagen ein Experiment und das kann ein großer Spaß werden, gerade WEIL wir ganz anders sind, als unsere Stimmen es vermuten lassen.
Es kommt sicher häufig vor, dass Leute im Supermarkt, beim Arzt oder im Restaurant Eure Stimme erkennen und Euch ansprechen. Ist so eine Situation schon einmal besonders außergewöhnlich verlaufen?
Eine Situation, an die ich mich gerne erinnere: Ich machte Urlaub in Afrika... Auf dem Flugplatz von Mombasa stand neben mir ein kleiner Schweizer Junge und wartete mit seinen Eltern auf das Flugzeug, das uns zum Kilimandjaro bringen sollte. Als es endlich am Himmel erschien, rief der Kleine im schönsten Schwyzerdütsch: "Schau, Papa, da kummt dasch Fliegerle!" Ich mußte lachen, der Junge drehte sich zu mir um, sah mich mit großen Augen an und fragte: "Bischt Du Peter Shaw von den Drei ???" Er hatte mich am Lachen erkannt! Elefanten, Giraffen und Löwen, die wir in den darauffolgenden Tagen auf unserer Safari sahen, fand er völlig uninteressant, er wollte die ganze Zeit über nicht anderes sprechen, als über Justus, Bob und Peter.
Ihr macht jeder eine Menge verschiedener Jobs: Synchronregie, Theaterschauspielerei, Synchronsprecher. Ist das Hörspiel "Die drei Fragezeichen" einfach nur der Job, den Ihr am längsten macht oder ist das der Job, der Euch besonders am Herzen liegt?
Die Drei ??? sind für mich ein Phänomen. Ich finde es toll, dass wir, Heikedine Körting, Andreas, Oliver und ich, seit über 20 Jahren miteinander arbeiten können... das ist etwas sehr Seltenes und Schönes. Ich habe Hörspiele immer als Nische in diesem Beruf gesehen, die ihre ganz eigenen Gesetze hat und sehr kostbar ist. Aber es gibt viele Rollen am Theater und beim Funk, die mich schauspielerisch mehr fordern. Wenn ich auf der Bühne z. B. den Kindermörder in "M - eine Stadt sucht einen Mörder" spiele, dann erfordert das von mir eine völlig andere Auseinandersetzung mit Rolle, Text, Thema und Kollegen. Da beginnt für mich als Schauspieler die tatsächliche Arbeit.
Wie erklärt Ihr es Euch, dass "Die drei ???" Kult-Status erlangt haben? Keine Hörspielserie wird so oft gehört und diskutiert wie die Fragezeichen.
Warum ein Produkt Kult-Status erlangt, ist nicht wirklich zu ergründen und sollte ein Geheimnis bleiben. Alles andere ist Spekulation. Ich freue mich natürlich sehr über den Erfolg. Ich denke, wir sind "Kult" geworden, ohne viel dazu beigetragen zu haben und darüber nachgedacht haben wir sicher nie. "Kultig" zu werden kann man nicht planen. Wenn sich ein Produkt so lange hält wie wir, so lange präsent bleibt, vielleicht wird es dann früher oder später automatisch "kultig"?
Hat jeder von Euch eine Lieblingsfolge?
Immer die aktuellste.
Müsst Ihr Euch vor jeder neuen Synchronrolle besonders vorbereiten oder in die Rolle einfühlen?
Synchron erfordert vor allen Dingen ein technisches Können, nicht so sehr die Kreativität der Sprecher. Natürlich versucht ein Sprecher die Figur nachzuspüren, die er synchronisiert, aber letztendlich bleibt es immer ein nach-spielen von etwas, was ein anderer Schauspieler bereits vor-gespielt hat. Beim Hörspiel und Theater ist die Möglichkeit der eigenen Gestaltung sehr viel größer. Damit wächst auch die Verantwortung. Vom Schauspieler wird erwartet, eine Fantasie zu seiner Rolle entwickelt zu haben. Die Schwierigkeit, eine Rolle ganz neu zu gestalten, hat man beim Synchron nicht - dafür aber auch nicht den entsprechenden Genuss.
Identifiziert Ihr Euch mit Justus, Peter und Bob?
Peter Shaw und Jens Wawrczeck sind sehr, sehr unterschiedlich. Doch, eine Gemeinsamkeit gibt es: Ich verliere auch schnell die Geduld.
Habt Ihr schon Tourerfahrung?
Ich bin schon sehr oft auf Tournee gewesen, zuletzt mit "LIIIEBE" einer pechschwarzen Komödie, in der sich zwei Männer und eine Frau auf der Brooklyn Bridge das Leben zur Hölle machen. Die Drei ???-Tournee wird aber sicher in jeder Beziehung etwas ganz eigenes.
Welche Fragen wurden Euch noch nie gestellt, die Ihr aber gerne einmal beantworten möchtet?
Es werden nie die richtigen Fragen gestellt, das liegt, glaube ich, in der Natur der Sache... oder?
Wie geht es mit "Die drei ???" weiter? Wird es sie noch lange geben?
Um eines meiner Lieblingslieder zu zitieren:
Que sera, sera
Whatever will be, will be
The future's not ours to see
Que sera, sera
What will be, will be...
Das ist ein bisschen wie die Frage "Was war zuerst da? Das Huhn oder das Ei?" Die Idee, die Drei ??? aus der Anonymität des Studios auf die Bühne zu holen, "gärte" schon längere Zeit in uns. Aber zunächst blieb es eine Idee, nicht mehr, nicht weniger. Die 100. Folge, die uns noch einmal ins Gedächtnis rief, wie lange wir schon dabei sind und dass dies eigentlich Grund zum Feiern wäre, ließ dann plötzlich alles konkreter werden. Die Zeit war einfach reif für eine so ungewöhnliche Aktion. Die eigentliche Planung wurde dann von EUROPA und der Konzertagentur A.S.S. durchgeführt, natürlich immer in Absprache mit uns. Wenn Die Drei ??? Gestalt annehmen und aus Stimmen Körper werden, muss das sehr genau überlegt und sorgfältig vorbereitet werden, und damit wären Oliver, Andreas und ich allein komplett überfordert.
Was genau ist Euer Ziel, was versprecht Ihr Euch davon, nach über 20 Jahren etwas vollkommen Neues mit den Fragezeichen zu machen?
Wir verfolgen kein genaues Ziel. Ich denke, es ist eher so, dass wir uns auf etwas Spannendes und Unberechenbares einlassen. Live On Stage ist etwas völlig anderes als geschützt im Studio zu sitzen. Ein Live-Hörspiel ist etwas sehr Ungewöhnliches, eine Form der Performance, die nicht wirklich erprobt ist. Wir sind da fast so etwas wie Pioniere. Das ist das Wunderbare... dass wir Neuland betreten und selbst nicht genau wissen, was uns erwartet und ich bin sehr neugierig, wie das Publikum reagieren wird.
Bisher wissen die wenigsten Fans, wie "Justus", "Peter" und "Bob" wirklich aussehen. Meint Ihr, dass die Vorstellungen und Illusionen der Hörer nun zerstört werden könnten?
Ja. Die Tatsache, dass wir nun von Kopf bis Fuß zu sehen sind, ist heikel. Ich bin weder so groß wie Peter, noch habe ich schwarze Haare, noch bin ich überdurchschnittlich sportlich. Wir haben lange gezögert, mit den Drei ??? auf die Bühne zu gehen. Der Gedanke, dass wir vielleicht mit den Bildern, die sich unsere Hörer von Justus, Bob und Peter gemacht haben, in Konkurrenz treten, macht mich schon ein wenig nervös, aber im Großen und Ganzen sehe ich das locker. Wir wagen ein Experiment und das kann ein großer Spaß werden, gerade WEIL wir ganz anders sind, als unsere Stimmen es vermuten lassen.
Es kommt sicher häufig vor, dass Leute im Supermarkt, beim Arzt oder im Restaurant Eure Stimme erkennen und Euch ansprechen. Ist so eine Situation schon einmal besonders außergewöhnlich verlaufen?
Eine Situation, an die ich mich gerne erinnere: Ich machte Urlaub in Afrika... Auf dem Flugplatz von Mombasa stand neben mir ein kleiner Schweizer Junge und wartete mit seinen Eltern auf das Flugzeug, das uns zum Kilimandjaro bringen sollte. Als es endlich am Himmel erschien, rief der Kleine im schönsten Schwyzerdütsch: "Schau, Papa, da kummt dasch Fliegerle!" Ich mußte lachen, der Junge drehte sich zu mir um, sah mich mit großen Augen an und fragte: "Bischt Du Peter Shaw von den Drei ???" Er hatte mich am Lachen erkannt! Elefanten, Giraffen und Löwen, die wir in den darauffolgenden Tagen auf unserer Safari sahen, fand er völlig uninteressant, er wollte die ganze Zeit über nicht anderes sprechen, als über Justus, Bob und Peter.
Ihr macht jeder eine Menge verschiedener Jobs: Synchronregie, Theaterschauspielerei, Synchronsprecher. Ist das Hörspiel "Die drei Fragezeichen" einfach nur der Job, den Ihr am längsten macht oder ist das der Job, der Euch besonders am Herzen liegt?
Die Drei ??? sind für mich ein Phänomen. Ich finde es toll, dass wir, Heikedine Körting, Andreas, Oliver und ich, seit über 20 Jahren miteinander arbeiten können... das ist etwas sehr Seltenes und Schönes. Ich habe Hörspiele immer als Nische in diesem Beruf gesehen, die ihre ganz eigenen Gesetze hat und sehr kostbar ist. Aber es gibt viele Rollen am Theater und beim Funk, die mich schauspielerisch mehr fordern. Wenn ich auf der Bühne z. B. den Kindermörder in "M - eine Stadt sucht einen Mörder" spiele, dann erfordert das von mir eine völlig andere Auseinandersetzung mit Rolle, Text, Thema und Kollegen. Da beginnt für mich als Schauspieler die tatsächliche Arbeit.
Wie erklärt Ihr es Euch, dass "Die drei ???" Kult-Status erlangt haben? Keine Hörspielserie wird so oft gehört und diskutiert wie die Fragezeichen.
Warum ein Produkt Kult-Status erlangt, ist nicht wirklich zu ergründen und sollte ein Geheimnis bleiben. Alles andere ist Spekulation. Ich freue mich natürlich sehr über den Erfolg. Ich denke, wir sind "Kult" geworden, ohne viel dazu beigetragen zu haben und darüber nachgedacht haben wir sicher nie. "Kultig" zu werden kann man nicht planen. Wenn sich ein Produkt so lange hält wie wir, so lange präsent bleibt, vielleicht wird es dann früher oder später automatisch "kultig"?
Hat jeder von Euch eine Lieblingsfolge?
Immer die aktuellste.
Müsst Ihr Euch vor jeder neuen Synchronrolle besonders vorbereiten oder in die Rolle einfühlen?
Synchron erfordert vor allen Dingen ein technisches Können, nicht so sehr die Kreativität der Sprecher. Natürlich versucht ein Sprecher die Figur nachzuspüren, die er synchronisiert, aber letztendlich bleibt es immer ein nach-spielen von etwas, was ein anderer Schauspieler bereits vor-gespielt hat. Beim Hörspiel und Theater ist die Möglichkeit der eigenen Gestaltung sehr viel größer. Damit wächst auch die Verantwortung. Vom Schauspieler wird erwartet, eine Fantasie zu seiner Rolle entwickelt zu haben. Die Schwierigkeit, eine Rolle ganz neu zu gestalten, hat man beim Synchron nicht - dafür aber auch nicht den entsprechenden Genuss.
Identifiziert Ihr Euch mit Justus, Peter und Bob?
Peter Shaw und Jens Wawrczeck sind sehr, sehr unterschiedlich. Doch, eine Gemeinsamkeit gibt es: Ich verliere auch schnell die Geduld.
Habt Ihr schon Tourerfahrung?
Ich bin schon sehr oft auf Tournee gewesen, zuletzt mit "LIIIEBE" einer pechschwarzen Komödie, in der sich zwei Männer und eine Frau auf der Brooklyn Bridge das Leben zur Hölle machen. Die Drei ???-Tournee wird aber sicher in jeder Beziehung etwas ganz eigenes.
Welche Fragen wurden Euch noch nie gestellt, die Ihr aber gerne einmal beantworten möchtet?
Es werden nie die richtigen Fragen gestellt, das liegt, glaube ich, in der Natur der Sache... oder?
Wie geht es mit "Die drei ???" weiter? Wird es sie noch lange geben?
Um eines meiner Lieblingslieder zu zitieren:
Que sera, sera
Whatever will be, will be
The future's not ours to see
Que sera, sera
What will be, will be...


