Interview mit Andreas Fröhlich und Kai Schwind
Wir haben mit Andreas und Kai darüber gesprochen, wie sie arbeiten und warum gerade diese Arbeitsweise den Bobcast so besonders macht.

Wenn ihr eine neue Folge vorbereitet: Was ist eure allererste Recherche-Handlung?
Andreas Fröhlich: Bevor ich mir die jeweilige Folge anhöre, nehme ich mir zuerst das Original-Skript vor und vergleiche die ursprüngliche mit der endgültigen Besetzung. Hier gibt es oft extreme Abweichungen, da einige Sprecher noch während der Aufnahme umbesetzt wurden oder schlichtweg keine Zeit hatten. Dann erst höre ich mir die Folge an.
Kai Schwind: Ich höre mir eigentlich in erster Linie die Folge an, gerne mehrmals und falls möglich, vergleiche ich alte und neue Abmischungen. Dazu mache ich mir bereits Notizen zu bestimmten Stellen, die ich für besprechenswert halte.
Wie teilt ihr euch die Arbeit: Wer wühlt eher in alten Hörspielmanuskripten, wer durchforstet Fanforen u.a.
Andreas Fröhlich: Die Hörspielmanuskripte zu studieren, fällt eher in meinen Bereich. Außerdem bin ich der Einzige, der Heikedines krakelige Handschrift lesen kann.
Kai Schwind: Ich freue mich immer sehr drauf, was Andreas alles in den Skripten entdeckt. Ich recherchiere dann gerne auch mal zum Thema Musik, da habe ich gute Quellen, die mich immer noch mal mit interessanten Infos versorgen. Fanforen durchforsten, machen wir eher nicht. Ich freue mich aber sehr über den Kontakt zu unseren Hörern über die sozialen Medien. Da gibt es nicht nur sehr viel Schönes und manchmal auch kritisches Feedback, sondern immer mal wieder auch interessante Infos zu einzelnen Folgen.
Gibt es Quellen, auf die ihr fast immer zugreift?
Andreas Fröhlich: Rocky-Beach.com und die Hörspielforscher, außerdem das Synchronforum und die Synchronsprecherkartei.
Kai Schwind: Eben jene, und immer wieder auch Kontakte in der Branche, zu Sprechern, Musikern, Autoren, Illustratoren und natürlich Heikedine Körting.
Welches ist das älteste/ungewöhnlichste/kurioseste Dokument bzw. Fundstück, das ihr je für eine Folge herangezogen habt?
Andreas Fröhlich: Beim Durchblättern der Original-Manuskripts stößt man immer wieder auf lose Zettel zwischen den Seiten - die damalige Telefonnummer von Romy Schneider (die dann leider keine Zeit hatte) oder die Gagenforderung von Amanda Lear für ihren Part im Hexenhandy. Spektakulär war für uns auch ein vergilbtes Stück Pergamentpapier, versteckt hinter dem Deckblatt im Skript zur Flüsternden Mumie. 1979 hatte Heikedine extra für diese Folge einen pensionierten Ägyptologen aufgetrieben, der handschriftlich sämtliche Texte von Ra-Orkon zuerst in Hieroglyphen und dann in Lautschrift verfasst hatte, damit der Sprecher des Ra-Orkon authentisch klingt. Letztendlich hat der Ägyptologe die komplizierten Texte selber eingesprochen, weil niemand außer ihm dazu in der Lage war.
Kai Schwind: Die Hieroglyphen zur Flüsternden Mumie waren wirklich spektakulär. Von meiner Perspektive kann ich noch sagen, dass mich immer wieder auch die Anekdoten flashen, die Andreas von den Aufnahmen und Begegnungen mit den grandiosen Schauspielern erzählt, die im Laufe der Jahrzehnte für die Fragezeichen gesprochen haben. Hier gibt viele groteske und lustige Geschichten, aber manchmal auch sehr Rührendes zu erfahren, wie zum Beispiel als der erste Erzähler Peter Pasetti schon so krank war, dass er es nicht mehr schaffte, eine Folge fertig einzusprechen. Und natürlich auch immer wieder Sachen, die sich eher nicht für die Öffentlichkeit eignen.
Woran merkt ihr: Jetzt ist die Recherche „rund“, jetzt drücken wir auf Aufnahme?
Andreas Fröhlich: Wenn wir so viel Material für die jeweilige Folge zusammenhaben, dass wir mindestens drei Stunden darüber reden könnten.
Kai Schwind: Wir haben eigentlich immer mehr Material als dann letztendlich in einer Folge zum Einsatz kommt. Im Laufe der Zeit haben wir auch ein ganz gutes Gespür dafür entwickelt, was man für unterschiedliche Aspekte innerhalb einer Folge besprechen kann: Infos über Sprecher, Analysen von Szenen und Stimmen, kuriose Fakten und natürlich unser privates Abschweifen.
Wie viel Zeit nimmt die Vorbereitung und Recherche für Folge durchschnittlich in Anspruch? (ohne die Aufnahmezeit)
Andreas Fröhlich: Das hängt immer von der Folge ab. Im Durchschnitt zwischen 6 und 7 Stunden.
Kai Schwind: Dazu kommen auch noch die Telefonate von Andreas und mir im Vorfeld der Aufnahmen. Hier entsteht auch immer schon ein Eindruck zu der Folge.
Warum setzt ihr lieber auf Eigenrecherche statt Redaktionsteam?
Andreas Fröhlich: Hallo?! Hat Bob Andrews jemals andere für sich recherchieren lassen?
Kai Schwind: Die Arbeit ist schon wirklich sehr angenehm verteilt: Bob recherchiert, ich kümmere mich dann ein bisschen mehr um die Struktur und die Nachbearbeitung. Und dann haben wir ja noch unser kleines, aber feines Team im Hintergrund, allen voran unser Regisseur und Produzent Ralf Podszus. Mit ihm koordinieren wir uns dann auch, wenn wir zum Beispiel Gäste im Bobcast haben.
Und speziell zur Tour
Was macht den besonderen Reiz aus, mit einem Podcast auf Tour zu gehen?
Andreas Fröhlich: Im Gegensatz zu den großen Drei ???-Hörspiel-Shows der Vergangenheit sind die Bobcast-Live-Events viel intimer und näher dran an den Fans - das mag ich.
Kai Schwind: Ich mag es sehr, dass bei einem Live-Podcast - mit Ausnahme der ganzen Recherchen im Vorfeld - der eigentliche Produktionsaufwand verhältnismäßig gering ist. Wir gehen einfach mit unseren Mikros auf die Bühne und es fühlt sich an, als würden wir die Leute zu uns ins Wohnzimmer einladen.
Worauf freut ihr euch am meisten?
Andreas Fröhlich: Dass es endlich wieder los geht. Obwohl wir noch überhaupt keine Ahnung haben, welche Folge wir besprechen werden…
Kai Schwind: Ich freu mich total auf die Begegnungen mit den Hörern und diese wohlwollende, liebevolle Stimmung, die uns jeden Abend entgegenschwappt. Außerdem macht es unheimlich Spaß, mit Andreas durch die Lande zu ziehen und auf der Bühne eigentlich genauso entspannt miteinander zu plaudern, wie dahinter.